Was bisher geschah…

Fünf junge Popsänger treffen sich rein zufällig vor einer Imbissbude irgendwo in Süddeutschland. Sie geben sich den phantasievollen Namen „füenf“ und geloben bei ihren außerirdischen Kehlköpfen, nie wieder Hand an sich, eine Elektrogitarre oder ähnliches zu legen – beseelt von der kühnen Vision, allein mit der Zauberkraft ihrer Stimmen die Welt ein wenig schöner zu machen als sie ohnehin schon ist. So schwören sie sich bedingungslose Tonalität und verschreiben sich fortan der Suche nach dem heiligen Vokal.

Soweit die offizielle Version frei nach Rosamunde Pilcher, wie sie in den Medien üblicherweise lanciert wird. Doch die „Story“ vom legendären Aufstieg einer Band in einer knallharten A Cappella-Welt liest sich in Wahrheit etwas anders:

3. September 1995, Alte Musikhochschule Stuttgart: Wir treffen uns zur ersten Probe, nachdem sich drei Mitglieder (Pelvis, Memphis und der erste Bassist, genannt Bass) von der ehemaligen Singgruppe „Die Dudus“ verabschiedet haben. Laszlo und Justice vermitteln beim Vorsingen einen mehr oder weniger guten Eindruck und werden unter Vertrag genommen. Füenf übt nun Stücke von Joe Jackson, Bob Marley, Chicago u. a., aber auch eigene Titel. Schnell offenbart sich die elementare Unterschiedlichkeit der Einzelnen. Stilistische und anderswie sinnlose Diskussionen geben wir schnell auf, um uns stattdessen auf einen künstlerisch genialen Kompromiss zu einigen. Die unverwechselbare und polystilistische Bandphilosophie der füenf wird fortan sein: Alles ist erlaubt, viel hilft viel und eine Halbe macht noch keinen Sommer.

4. Dezember 1995, Pforzheim Kupferdächle: Füenf haben nach nur drei Monaten ihren ersten Auftritt bei einem A Cappella Festival in der Goldstadt. Ihre einstündige Show kann überzeugen, die ersten Fans sind Claudia und Simone.

5. Dezember 1995, Stuttgart-Stammheim, Headquarter: Pforzheim liegt uns schon mal zu Füßen, jedenfalls was Simone betrifft, Claudia betrügt uns mit den Wise Guys und erliegt einem Hörsturz. Jetzt muss nur noch der Rest der Nation aufgemischt werden. Und das lässt sich prima an. Problemlos stellen wir Konzerte in Steinenbronn, Kornwestheim und Igelsloch auf die Beine, singen uns in die Herzen unserer Omas und verzaubern die Gäste so mancher Baumarktgrillparty.

Das kann so nicht weitergehen, stellen wir Ende 1996 fest. Und wieder ist es ein Reiner mit Nachname Zufall, der unseren Kahn wieder auf Erfolgskurs bringt. Denn wie ein Messias erscheint plötzlich Big J auf der Bildfläche. Der Mann, der uns von nun an ohne Erbarmen zu unserem Glück zwingen wird. Big J gängelt uns unter Androhung dutzender Benefizkonzerte zu drei Dingen, die uns bislang völlig fremd waren: Frühstück um halb eins, eiserne Arbeitsmoral und musikalische Qualität. Wohl oder übel, wir müssen anfangen zu proben!

September 1996: Die Mühe war es wert, wir prostituieren uns bald kreuz und quer durch Deutschland einen ab, während Big Jim im behaglichen Agentursambiente über Prospekten brütet, um sich einen angemessenen Geschäfts-Humvee mit Plüschbezügen rauszulassen sowie eine Couchgarnitur aus tibetischem Tempelyak-Leder.

5. März 1999, Theaterhaus Stuttgart: Unsere erste durchinszenierte Show „Die schon wieder?!“ startet durch und schießt durch die Decke!



12. Juni 1999, 14:46 Uhr
: Bass geht, Freytag kommt.
12. Juni 1999, 14:49 Uhr: Freytag geht, kommt aber gleich wieder, er war nur kurz Zigaretten holen.
12. Oktober 1999, Stuttgart: Ein Desaster bahnt sich an: Freytag wird beim Singen des Badnerland-Liedes erwischt.
13. Oktober 1999, Stuttgart: Freytag wird gefeuert.
14. Oktober 1999, Stuttgart: Freytag wird zur schwäbischen Staatsbürgerschaft gezwungen und wieder eingestellt.
15. Oktober 1999, Stuttgart: Laszlo und Pelvis schreiben „Mir im Süden“.

Herbst 2000: „Die schon wieder?!“ plätschert langsam aus, so auch die schöne Zeit mit unserem badischen Gastarbeiter. Freytag verlässt uns, schweren Herzens zwar, aber nicht ohne das Backstage-Catering um drei Lachsbrötchen zu erleichtern, wenn nicht vier und ne Tüte Gummibärchen. Welch ein herber Verlust, besonders die Fruchtgummis.
Die Wunde klafft tief im Register, doch da – in allerletzter Sekunde: ein Arztbesuch!

Winter 2000:
Beim Casting genügen zwei Takte boom schakala boom und ein sonores Doowap wahhh dooo und zehn Sekunden später nur noch vier dumme Gesichter und keiner stellt mehr blöde Fragen über seinen Doktortitel: Benvenuto Dottore Basso!
Im Februar 2001 erobert der Doktor bei seinem ersten Konzert mit uns in Fürth gleich 37 Herzen und eine Hotelbar an einem einzigen Abend.

Frühjahr 2001, Skala Ludwigsburg:
„Feingefühl“ läuft mit Glanz und Gloria vom Stapel.
Es ist nicht zweifelsfrei überliefert, wer uns die Suppe einbrockte, uns auch einmal von unserer femininen Seite zu präsentieren. Jedenfalls: All das männergruppen-therapeutische Warmduschen sollte sich auszahlen. Im Herbst 2001 halten wir den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg in den Händen. Ein in Bronze gegossener Schalk. Ja grins nur weiter so hämisch…wir schmelzen dich ein und eins zwei drei ha ha ha bist du ein Dildo…wir Frauenversteher.



2002:
Die neue Show und die Platte dazu erfreuen sich größter Nachfrage, ebenso unser Steinzeitmusical „Ein Fest für König Gugubo“, ein knuffiges Hörspiel für Kinder jeden Alters. Die Kiddies hören es nur so kaputt und die Mamis himmeln uns nur so an.

5. Oktober 2003: „Singing in the Train“ – Wir präsentieren zur Rush Hour einem überfüllten Waggon voller Groupies die niegelnagelneue Single „Mir im Süden“ in der Stuttgarter Straßenbahn. Unser Singen auf Rädern findet großen Anklang, sodass wir beschließen, über hundert Haltestellendurchsagen zu komponieren und in Peter’s Tonstudio einzusingen, von der Wilhelma Stuttgart übers Römische Kolosseum bis hin zum Roten Platz in Moskau.
Zwischendurch kurz mal Arme ausschütteln am 19. November 2004 beim 555. Konzert.

2005: Vier Jahre neomaskuline Selbstfindung, da kommt dem härtesten Weichei langsam aber sicher der grüne Tee zu den Ohren raus. Kein leichter Weg, wieder zu werden, was wir einmal waren, sexistische Kotzbrocken mit Stimmen zum Flachlegen. Und es tut so gut…Dosenbier…Billigpornos…Grillsteaks XXL…Grünkernbratlinge verkohlen lassen…oh yeah! Und oh Wunder, der feministische Shitstorm bleibt aus, die Morddrohungen bleiben erträglich konstant und so wagen wir uns mit dicker Hose an ein Programm, welches uns endlich wieder als echte Kerle rehabilitiert, ohne dass es auch nur ein/e Schwein/Sau merkt: Am 26. Februar komm‘n die „Südfrüchte“!

Wir touren uns mit „Südfrüchte“ dumm und dusselig, zu Land, aber auch zu Wasser. Auf Kreuzfahrt von Lissabon durch den Ärmelkanal nach Hamburg hängt Justice meist Backstage mit der Musicaltruppe von König der Löwen ab, Pelvis und Memphis mehr über der Reling, um die Fische zu füttern, während Dottore und Laszlo es sich am Pool oder in der Skylounge gutgehen lassen bei Weißbier und Lumumba nicht zu knapp. Jedem das Seine, und trotz allem drei Galaabende deluxe. So könnte es ewig weitergehen, doch es hat nicht sollen sein.

Winter 2005: Und abermals verlieren wir einen Jahrhundertbass an die Kopfgeldjäger der Industrie.

Frühjahr 2006: Doch gottlob lässt ein würdiger Nachfolger nicht auf sich warten. An St. Patrick poltert lauthals lachend ein 2 Meter Jungspund mit Schuhgröße 48 in des Doktors ehrwürdige Fußstapfen. Wow…wir sind wieder komplett! Vier Stimmen und ein Kontrabauch: Halleluja Bass Spencer!

Sommer 2007: Ein paar hundert Gigs und fünf abgewetzte Maßanzüge aus Wirsing später und Laszlo schwächelt. Na großartig! Diese Ermüdungserscheinungen kannte man bislang doch nur von Bässen, aber was hilft’s…that’s life. Soll er halt mit allen Ehren seine Abschiedsgala haben, der Frührentner! Anrührende Szenen…Tränen…aber auch Erleichterung. Besonders bei Justice und Pelvis, mit deren Mineralwasserflasche er andauernd fremdging, der Hirni!
Aber ernsthaft, wie sollte es nun weitergehen? Sollten wir uns in Vüer umbenennen? Ist mehr Alkohol eine gangbare Lösung? Wie weit ist eigentlich die Forschung mit dem Klonen von kurzsichtigen Kahlköpfen, Kehlköpfen, Kohlköpfen? Wir beten für ein Wunder…und siehe da, der Himmel entsendet uns Karuso.

Dieses putzige Kerlchen von der Alb übertrifft noch unsre kühnsten Erwartungen, hat er doch ein geradezu fotografisches Gedächtnis für Mineralwasserflaschen. Zwar wirkt er im Verhältnis zu Bass Spencer wie die Kaulquappe von Kermit neben Samson aus der Sesamstraße. Aber wer nicht Gott wer nicht aber Heiland was ne Kuschelrockröhre, der Knabe!

Frühjahr 2008: „Südfrüchte“ ade, hallo „UÄH!“

16. November 2008: Das 1001. Konzert

August 2009: Release der ersten Füenf-DVD „Füenf live“

Winter2009: „UÄH!“ rockt, als gäb‘s kein Morgen, doch wieder schlägt unerwartet das Schicksal eine mannsbreite Schneise in unsre Reihen. Bass Spencer verfällt endgültig der Liebe zur Oper und hinterlässt uns einfach kultur- und fassungslos mit anderthalb Schinkenschnittchen und einem angebissenen Twix. Oder war es ein Snickers?
Doch ein weiteres Mal soll unverschämtes Glück uns die Ärsche retten. Wer hätte es kommen sehn, der Dottore hat inzwischen null Bock mehr auf Business Suit und Managerspitzengehalt. Umso mehr hat ihn die Sehnsucht gepackt auf vokale Freakshow on the road mit seinen alten Kumpels und auf anderthalb Schinkenschnittchen und angebissene Bounty…nein, halt, es war ein Mars, ganz sicher.

2010: „15 Jahre Füenf“ – Die Jubiläums-Tour!

Januar 2011: Release der neuen CD „Phase 6“ und Start der dazugehörigen Tour.

Herbst 2012: Ein Samstagabend, Backstage in der Halbzeitpause: Memphis verwechselt zwei stille Wasserflaschen, Justice macht zeitgleich eine schnippische Bemerkung über die Schwäbische Alb. So, jetzt reicht‘s! Karuso schmeißt hin.
So die Legende, doch da war wohl noch mehr und die Spannungen schwelten schon zu lange, mutmaßlich wegen eines Zwiebelmettbrötchens, wie so oft.
Tja und wiedermal sucht unsre kleine Ponderosa steckbrieflich und händeringend einen Gaucho am rauchenden Colt, vorzugsweise tiefenentspannt wie Clint Eastwood, smart und treffsicher wie Lucky Luke, wenn möglich nicht so scharf auf Mettbrötchen wie Hoss Cartwright…Yeeeehaaa and along comes Little Joe!
Wie der Zufall es will, erregt ein Konzertplakat in Calw Downtown Memphis‘ Aufmerksamkeit. Kai Podack and Friends mit „Swing ist mein Ding“ und Memphis denkt sich „Hey, die Hackfresse kennst du doch irgendwo her“. Und tatsächlich, Tage später schwant ihm, der Typ war doch mal im zarten Kindesalter mein Klavierschüler, den hau ich mal an. „Hey Joe, wie stehst du zu Mettbrötchen?“ „Bleib mir bloß weg mit so Zeugs“. Handschlag und die Schote ist geritzt.

Winter 2012: Big J hat ausgesorgt. Letztes Lebenszeichen, ein verwackeltes Radarfallen-Selfie der hawaiianischen Küstenwache, auf dem er zwischen den sonnencremigen Oberweiten seiner Bord-Crew hervor grinst. Sein Abschiedsgruß reduziert sich auf einen einzigen Finger der rechten Hand. Nein, nicht der mit dem fetten Brillant, der gleich daneben.
Nun weht aber ein ganz anderer Wind und der heißt Verena. Sie bringt uns zuallererst drei Dinge bei, die uns bislang fremd waren: ausgewogene Ernährung, ein Mindestmaß an Körperpflege und Mund halten, wenn Frauchen was sagt.

2013: Tour „Füenf singen Kriwanek – und eigene Welterfolge“. Wir erinnern an Wolle, vielleicht die genialschte und gröschte Gosch, die dem Süden jemals aufs Maul schaute, in jedem Fall die liebenswerteste. Ein guter Freund und Kollege, dem zeitlebens die Songs und das Lachen einfach nicht vergehen mochten, komme was da wolle.

März 2013: Release CD „Füenf singen Kriwanek“

9. Oktober 2013: Wir übernehmen die Patenschaft für Bock „Horst“ in der Stuttgarter WiIhelma, wie zu erwarten fällt die öffentliche Debatte wohlwollend aus und die mediale Resonanz eher zickig.

23. Oktober 2013: Premiere „Bock drauf!“

April 2014: Release CD „Bock drauf!“

Und hier und jetzt, zwei Jahrzehnte, eine Tüte Gummibärchen, 30 Hektoliter Tafelwasser, 2 Tonnen Gauda-Brötchen vom Vortag, drei Lachsschnittchen, wenn nicht vier, ein halbes Milkyway und sieben Showprogramme später, hier endet diese Geschichte. Doch nicht für immer, oh nein. Bloß so lange wir sie nicht fortschreiben – and don’t you worry – das werden wir. Wir füenf, Pelvis, Justice, Memphis, Little Joe und Dottore Basso und wer weiß, wer da noch so alles kommen und gehen wird.

to be continued…